abgeschlossene Aktivitäten

Mitten im Industriegebiet, an der Hansastraße 10, erinnert seit dem 25. September 2015 ein Mahnmal an die rund 2000 Frauen und Männer, die von 1939 bis 1945 Zwangsarbeit bei den "Günther Wagner Verpackungswerken" leisten mussten. Zum zehnjährigen Jubiläum des Vereins "Gegen das Vergessen ./. NS-Zwangsarbeit" gelang es in Zusammenarbeit mit der Firma Silgan White Cap Deutschland, die heute ihren Sitz dort hat, aber nicht deren Rechtsnachfolgerin ist, einen Erinnerungsort zu gestalten. Das Mahnmal, das am authentischen Ort des ehemaligen Zwangsarbeiterlagers steht, ist von den Auszubildenden der Firma angefertigt worden.

„Die Firma Silgan zeigt in beachtenswerter Weise, wie sie 70 Jahre nach Kriegsende einen Beitrag zur Erinnerungskultur leisten können", stellte der Oberbürgermeister Stefan Schostok bei der Einweihung fest. Eine Gedenktafel, die in dem Mahnmal integriert ist, informiert über das Zwangsarbeiterlager und den Standort in der Hansastraße 10. Außerdem gab es hier während des Zweiten Weltkrieges ein firmeneigenes „Arbeitserziehungslager“ für Frauen sowie ein "Ausländerwöcherinnenheim", in dem Zwangsarbeiterinnen unter schrecklichen Bedingungen ihre Kinder zur Welt bringen mussten. Die Säuglingssterblichkeit in dieser speziellen Baracke lag bei 80 bis 90 Prozent.

Mahnmal Hansastr. 10, September 2015 [Foto: Janet v. Stillfried]


1943 brannten deutsche Wehrmachtssoldaten wegen der angeblichen Unterstützung von Partisanen ein griechisches Bergdorf nieder, töteten Frauen, Alte, Babys. Christoph Schminck-Gustavus reiste an den Ort, der noch heute vom Schrecken gezeichnet ist. Er hat die letzten Überlebenden des Massakers gefunden, ihre Berichte aufgezeichnet und Archive gesichtet: Die Rekonstruktion eines erschütternden Verbrechens und seiner juristischen Verleugnung.
Soldaten der Gebirgsdivision Edelweiß trieben die Einwohner von Lyngiádes in die Keller der Häuser, mähten sie mit Maschinengewehren nieder und zündeten das Dorf an. Fünf Menschen überlebten und krochen aus den brennenden Trümmern. Hunderte Dörfer fielen auf dem Balkan sogenannten "Sühnemaßnahmen" zum Opfer. Weil deutsche Gerichte sich später die Rechtfertigung der Täter zu eigen machten und das Massaker von Lygiádes als "Kampf gegen Partisanen" einstuften, wurde das Kriegsverbrechen nicht verfolgt. Deutschland und Griechenland haben die Opfer für ihr Leiden nie entschädigt.


© Janet Freifrau von Stillfried und Rattonitz  © Janet Freifrau von Stillfried und Rattonitz

Der "Zug der Erinnerung" war mehrmals zu Gast in Hannover. Ein Teil der regionalen Ausstellung bestand aus Informationen zum Thema "Zwangsarbeit" in Hannover und insbesondere zu den ermordeten Kindern der hannoverschen Zwangsarbeiter.

Ausstellungsbereich im "Zug der Erinnerung" zu den Kindern hannoverscher Zwangsarbeiterinnen, Januar 2008


Am Fußweg von der Garbsener Landstraße zum Roßbruchgraben hin erinnert eine Texttafel an das Schicksal ehemaliger Zwangsarbeiter der Firma Accumulatoren-Fabrik (AFA). In der Nähe des Standortes sind noch die Überreste des Zwangsarbeiterlagers zu sehen. Unweit der AFA bestanden gleich mehrere Zwangsarbeiterlager im damaligen sogenannten „Industriegebiet Nordhafen“. Hier waren ab Frühjahr 1940 mehrere tausend Zwangsarbeiter aus Belgien, Frankreich, Dänemark, Italien, Kroatien, den Niederlanden, Polen, Russland, der Ukraine, Serbien und der Tschechischen Republik untergebracht. Die Firma selbst gab nach dem Krieg den Einsatz von 4.400 Zwangsarbeitern für ihr Werk in Hannover an, nicht eingerechnet KZ-Häftlinge und Kriegsgefangene. Besonders schwierig war die Überlebenssituation für Polen und „Ostarbeiter“. Sie besaßen keine Rechte und waren der Willkür der Kollegen am Arbeitsplatz sowie des Lagerpersonals ausgesetzt.

Eine weitere Texttafel steht direkt im Eingangsbereich des KZ Stöcken am Roßbruchgraben. Sie wurde von der Arbeitsgemeinschaft „KZ Stöcken“ errichtet und gestaltet. An der Garbsener Landstraße, Ecke Hollerithallee informiert eine Gedenktafel über die Nutzung des Geländes während und nach dem Zweiten Weltkrieg. Auf dieser Tafel ist auch ein Brief der Geschäftsleitung der Firma Varta aus den 1980er Jahren veröffentlicht, in dem die Sinnhaftigkeit eines Mahnmals für die Opfer angezweifelt wird. Vis-à-Vis steht das gut sichtbare Mahnmal des Künstlers Jürgen Breuste, das 1987 errichtet wurde. Eine dazugehörige Bodentafel informiert über die Intention und Bedeutung des Mahnmals.

Die Gedenktafeln sind in Kooperation zwischen der Stadt Hannover, Projekt „Erinnerungskultur“ und dem Verein „Gegen das Vergessen ./. NS-Zwangsarbeit“ im Juli und September 2014 eingeweiht worden.

 

Informationstafel an der Garbsener Landstraße mit Vorder- und Rückseite

Tafel Garbsener Landstraße/Hollerithallee [Fotos: Tim Rademacher]


Im Umfeld vieler größerer Rüstungszentren wurden im Zweiten Weltkrieg (1939 - 1945) Entbindungseinrichtungen für schwangere „Ostarbeiterinnen“ und Polinnen errichtet. Hintergrund war die Verschleppung und der Arbeitseinsatz osteuropäischer Frauen im Deutschen Reich. Sie selbst und ihre Kinder waren „rassisch unerwünscht“. Im Stadtgebiet von Hannover waren während des Zweiten Weltkrieges ungefähr 60.000 Zwangsarbeiter in mehreren hundert Lagern untergebracht, unter ihnen auch Säuglinge und Kinder. Einige kamen in Heime, wo sie schutzlos der Vernichtung preisgegeben wurden - andere lebten mit Familienangehörigen in Lagern, so dass sie Hilfe finden konnten. Die geringsten Überlebenschancen hatten Säuglinge, insbesondere der sogenannten „Ostarbeiterinnen“ - Frauen aus Russland und der Ukraine. Sie kamen in speziellen Einrichtungen unter unmenschlichen Bedingungen zur Welt. Ihre Ernährung und die medizinische Versorgung waren sehr schlecht, und es herrschten katastrophale hygienische Verhältnisse.

In Hannover gab es ebenso wie anderen Orts für diesen Zweck „Wöchnerinnenbaracken“. Die Lagergemeinschaft Hannover e.V., ein Zusammenschluss von Rüstungsfirmen, betrieb einige dieser Baracken, dazu gehörte auch das „Ausländerwöchnerinnenheim“ in Godshorn, das ab August 1943 bis zum Kriegsende bestand. Zeitzeugen gehen von einer sehr hohen Todesrate - bis zu 75 Prozent - aus.

Seite Mitte 2008 gab es ein Projekt, das sich zur Aufgabe setzte, an das Leid dieser Mütter und deren Kinder zu erinnern. Als Ergebnis wurde eine Texttafel am „Le-Trait-Platz“ in Godshorn und ein Mahnmal direkt am Ort des Geschehens in der Ziegeleistraße errichtet. Die Zusammenarbeit umschloss viele Akteure, wie den „Verein gegen das Vergessen ./. NS-Zwangsarbeit, die Stadt Langenhagen, die Schule Godshorn und den Bildhauer Karl-Heinz Spiekermann sowie Unternehmen aus der Region. Am 9. September 2009, das erste Sterbedatum eines Säuglings im „Ausländerwöchnerinnenheim“ war der 9. September 1943, wurden die Texttafel am Le-Trait-Platz und das Mahnmal in der Ziegeleistraße unter großer Anteilnahme eingeweiht.

Informationstafel am Le-Trait-Platz und Gedenkort in der Ziegeleistraße, Einweihung 2009 [Fotos: Janet v. Stillfried]


Im Oktober 1944 wurde ein Konzentrationslager im Gewerbegebiet Brink Hafen an der Hackethalstrasse für 500 überwiegend polnische Häftlingsfrauen, die während des Warschauer Aufstands in Polen verhaftet und deportiert wurden, errichtet. Sie mussten in Langenhagen für die Brinker Eisenwerke in der Rüstungsproduktion und bei der Demontage von Flugzeugen arbeiten. Das damals auf Langenhagener und heute auf dem Hannoverschen Stadtgebiet gelegene Konzentrationslager wurde am 6. Januar 1945 durch einen Bombenangriff zerstört.

Nach Fertigstellung einer umfangreichen Dokumentation, die die Stadt Langenhagen zum KZ in Auftrag gegeben hatte, bestand der Wunsch, eine Gruppe von ehemaligen Häftlingsfrauen im Jahr 2001 einzuladen. "Es gehört viel Kraft und Mut dazu, diese Reise zu machen und unseren zur Versöhnung ausgestreckten Händen entgegenzukommen", sagte die Bürgermeisterin Waltraud Krückeberg in einer Gedenkfeier zur Begrüßung der fünf Frauen aus Warschau und Umgebung, die als Gäste anreisten. „Es war kein leichter Weg hierher", resümierte EIzbieta Kostrzewa, eine der Überlebenden. Sie habe lange überlegt, bevor sie die Einladung der Stadt angenommen habe. Mit gemischten Gefühlen erlebte sie ihren Aufenthalt in Langenhagen. „Ich freue mich über die Reise und dass alle so nett sind“, aber auf der anderen Seite sei der Besuch auch durch Gedanken an die Vergangenheit überschattet. Doch den Frauen aus Polen war die Reise wichtig: „Wir sind stellvertretend gekommen für alle, die überlebt haben.“ Aber an den historischen Standort des ehemaligen KZs am Brink Hafen in Langenhagen erinnerte zu diesem Zeitpunkt nichts. Die IG Metall und Stadt Hannover engagierten sich daraufhin für einen würdevollen Erinnerungsort. Das Mahnmal wurde am 8. Mai 2003, am ehemaligen Lagereingang des KZ eingeweiht, aber nicht nur an das ehemalige KZ soll erinnert werden, sondern auch an die Geschichte der Zwangsarbeiter im Industriegebiet am Brink Hafen.

Mahnmal mit Texttafel zum KZ Langenhagen [Foto: Tim Rademacher]