Zwangsarbeit

Zwangsarbeiter*innen gehörten im Zweiten Weltkrieg zum Stadtbild von Hannover. Ungefähr 60.000 Frauen und Männer wurden aus West- und Osteuropa hierher verschleppt. Im gesamten Stadtbild bestanden während des Krieges mehr als 500 Lager. Größere Lager wurden in der Nähe hannoverscher Industrieschwerpunkte wie Döhren, Linden, Ricklingen, Stöcken, Vahrenwald und Wülfel angelegt. In Hannover und der Region existierten zudem sieben Konzentrationslager…

Barackenlager

Ohne die Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter*innen, die überwiegend aus Polen und der Ukraine kamen, wäre die deutsche Wirtschaft nicht in der Lage gewesen, die Kriegsmaschinerie und die Versorgung an der „Heimatfront“ aufrechtzuerhalten. Dadurch waren 1944 ca. 40 Prozent aller Arbeitskräfte in hannoverschen Unternehmen Häftlinge oder Zwangsarbeiter*innen – ein überdurchschnittlich hoher Anteil im Vergleich zu anderen Industriestandorten.

Hannover – Aufarbeitung und Erinnerung

Bis 1996 wusste man kaum etwas über dieses dunkle Kapitel hannoverscher Stadtgeschichte, bis die Historikerinnen Janet von Stillfried (geb. Anschütz) und Irmtraud Heike begannen, an der Universität Hannover für das Projekt „Hannoversche Lager“ zu forschen. Neben vielen anderen Aktivitäten konnten eine erste (kleine) Wanderausstellung konzipiert, einige Publikationen herausgebracht und zwei Mahnmale – auf dem Seelhorster Friedhof zur Erschießung von 154 Häftlingen durch die Gestapo Hannover am 6. April 1945 und in Langenhagen zum dortigen Frauenkonzentrationslager im Bereich Brink-Hafen – errichtet werden.

Im Zuge ausdauernder Recherchen gelang es den Historikerinnen, mehr als 2.000 Überlebende ausfindig zu machen, Kontakt zu ihnen aufzunehmen und vielfach persönliche Begegnungen mit Zeitzeug*innen herbeizuführen. Damit leiteten sie einen Verständigungs- und Aussöhnungsprozess ein, der  auch nachfolgende Generationen betrifft. Seit dem Ende des Projektes „Hannoversche Lager“ (2008) werden die Aktivitäten durch ehrenamtliches Engagement im Verein „Gegen das Vergessen./.NS-Zwangsarbeit“ weitergeführt. Insbesondere die Aufarbeitung, Zusammenarbeit und Vernetzung mit Gedenkstätten, öffentlichen Einrichtungen, Experten, Opferverbänden, Zeitzeug*innen stehen dabei im Vordergrund. So konnten mehrere Erinnerungsstätten im öffentlichen Raum durch Infotexttafeln in Hannover-Stöcken zu Lagern der Firma Accumulatorenfabrik (AFA) und in Godshorn zum ehemaligen Standort eines sogenannten „Ausländerwöchnerinnenheims“ und der Hansastraße 10, wo ebenfalls zahlreiche Kinder von Zwangsarbeiterinnen starben, geschaffen werden. Weitere Projekte zum Gedenken an ehemalige Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge in Hannover/Region sind kontinuierlich in Planung.

Der Verein engagiert sich seit seiner Gründung für die Opfer, bzw. erforscht Opferschicksale, damit Angehörige oder Freunde Gewissheit zum Verbleib vermisster Personen – auch über 70 Jahren – erhalten. Der Kontakt mit Überlebenden und Betroffenen ist insbesondere für die Aufarbeitung der Einzelschicksale notwendig. Diese sehr persönliche Form der Erinnerungskultur und der Einsatz für die Opfer spiegeln den Bedarf und die Arbeitsweise des Vereins wider. Ein weiteres Anliegen des Vereins für die nächsten Jahre ist die Weitergabe von Erfahrungen und Wissen an kommende Generationen.